Aktuelle Ausgabe

KAUFBERATUNG Präsentationsmittel 3/2019

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Have a nice Touch

Auf dem Smartphone, an der Supermarktkasse oder am Fahrkartenautomat: Überall wird „getoucht“. Diese Technik erhält auch im Konferenzraum Einzug, wo man früher Präsentationen frontal abgehalten und Interaktionen per Flipchart unterstützt hat.Mit Multitouchdisplays lässt sich alles realisieren, was ein kollaboratives Meeting benötigt – auch über den Konferenzraum hinaus.

 

Arbeitsweisen werden vielseitiger und flexibler. Routinearbeiten erfahren mehr und mehr Automatisierung, während Menschen sich zunehmend auf kreative Arbeiten und Projekte konzentrieren, wobei die Einzelarbeit in den Hintergrund rückt. Umso wichtiger wird die Teamarbeit: Ideen präsentieren, zusammentragen und gemeinsam Ergebnisse daraus formen – das ist es, was die Digitalisierung nicht übernehmen kann.

Wohl aber kann sie die Menschen bei diesem Prozess unterstützen. Technische Entwicklungen ermöglichen ortsunabhängiges Arbeiten – und zwar nicht nur den Zugriff auf die benötigten Daten, sondern auch die Zusammenarbeit. Konferenztechnik ist längst nicht mehr auf den Raum begrenzt, sondern bringt Menschen aus dem Homeoffice oder gar vom anderen Ende der Welt mit an den Tisch. Nicht nur, dass sie auf dem Bildschirm zu sehen sind und in die Runde schauen, sie können sich auch insofern beteiligen, als sie ihre Dokumente zeigen, sich aktiv in eine Präsentation einbringen und am Ende das gemeinsam Erarbeitete auf ihren Smartphones,Tablets oder Laptops mitnehmen können.

Meetings mit Präsentationen müssen keine Frontalveranstaltungen sein. Wo klassisch präsentiert wird, werden Projektoren und Leinwände gebraucht, mitunter Rednerpulte, die heutzutage nicht nur mit einem Mikrofon und einer Leuchte, sondern mit allen erdenklichen technischen Finessen ausgestattet sind, sodass ein versierter Redner die Visualisierung seiner Präsentation selbst voll im Griff haben kann. Wenn sich allerdings Teams einfinden, um ein Projekt auszuarbeiten, können sie ihre Ideen und Beiträge inzwischen nicht nur verbal einbringen, sondern sie auf einer gemeinsamen Plattform zusammenführen.

Die Königsklasse der interaktiven Hilfsmittel sind Multitouchdisplays. An einem solchen Board können alle zusammenarbeiten. Mit einem speziellen Stift (Touchpen) oder mit dem Finger zeichnen und schreiben sie ihre Ideen auf das weiße Board oder in eine Vorlage. Die Inhalte können sie ebenso verändern oder verwerfen – Letzteres, indem sie sie einfach wegwischen. An der Interaktion beteiligen sich nicht physisch anwesende Teilnehmer ebenfalls im vollen Umfang. Am Ende speichern alle die Ergebnisse auf ihren Smartphones oder Tablets, können sie weiterbearbeiten und mit anderen teilen.

INTERAKTIVE DISPLAYS

Große Displays zur Präsentation gibt es bald wie Sand am Meer, auch Multitouchdisplays bieten zahlreiche Hersteller an. Der Nettopreis für einen 65 Zoll großen Bildschirm liegt zwischen 2.000 und mehr als 9.000 Euro. Wer die technischen Datenblätter miteinander vergleicht, wird feststellen, dass daraus nicht hervorgeht, worin die großen Preisunterschiede begründet liegen.
Die Auflösung ist längst nicht der wesentliche Beitrag. Die meisten Displays bieten Full HD (1.920 x 1.080 Bildpunkte) oder Ultra HD beziehungsweise 4k (ab 3.840 x 2.160 Bildpunkte). Wie hoch man die Auflösung wählen sollte, hängt stark von der Anwendung ab. Für Videokonferenzen beispielsweise ist Full HD mehr als genug. Anders sieht es bei kollaborativen Meetings aus, wenn mehrere Teilnehmer mit zarten Strichen ihre Beiträge einbringen, die möglicherweise vergrößert oder auf dem Smartphone abgespeichert werden und in jedem Fall noch lesbar sein sollen. Wo es wirklich aufs Detail ankommt, kann die Auflösung kaum hoch genug sein.

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*Preis beim Händler, kann stark variieren 

 Ausführliche Tabellen im FACTS MAG  3/2019 und im Download unter "Artikel als PDF"

 

Den Preis beeinflussende Unterschiede sind stark in der Ausstattung zu finden. Sind in das Display Kamera und/oder Mikrofone integriert, ist es natürlich teurer als wenn nur Anschlüsse für externe audiovisuelle Technik vorhanden sind. Ebenso kann ein Display „stand-alone“ funktionieren oder auf einen Computer angewiesen sein. Manche Displays werden als schlüsselfertige Lösung mit bestimmter Software geliefert, wie man es beim PC-Kauf mitsamt Office-Programmen kennt, während diese bei anderen bedarfsgerecht dazugekauft werden muss.

TOUCHTECHNOLOGIEN

Ein wesentlicher Unterschied, der sich im Preis niederschlägt, liegt in der Touchtechnologie. Die einfacheren resisitiven Displays sind an der Innenseite mit einer leitfähigen Schicht überzogen, auf der über eine Stromspannung an den vier Ecken ein gleichmäßiges elektrisches Feld erzeugt wird. Berührt ein Finger das Glas auf der Außenseite, wird die Veränderung der Spannung gemessen und der Bildschirm „spürt“ auf diese Weise die Berührung. Das funktioniert gut, solange es nur eine Berührung – also keinen „Multitouch“ – gibt und keine elektrischen Veränderungen in der Umgebung unerwartete Signale verursachen.

Bei Multitouchdisplays hingegen können mehrere Personen gleichzeitig ihre Eingaben machen. Die meisten Multitouchdisplays sind für zehn, andere für 20 oder gar 40 Berührungspunkte ausgelegt: Viele Hersteller bilden vor allem bei großen Displays mit Infrarottechnik ein Lichtschrankengitter, das auf Unterbrechung reagiert und mehrere Berührungen parallel verarbeiten kann.

Aufwendiger und erheblich teurer ist die „Projected Capacitive Touch“-Technologie, kurz PCT oder P-CAP, die aus dem Display ein Largeformat-Smartphone macht. Hier wird kein großes Feld, sondern ein Leitungsraster mit vielen Feldern angelegt, indem hauchdünne Drähte längs und quer zwischen zwei Glasscheiben ein Netz bilden, an dem eine Spannung angelegt wird. Dabei erkennt der Bildschirm die Spannungsveränderung innerhalb des Rasters auch an mehreren Stellen.

Die E-CAP-Technologie kombiniert eine Mischung aus Infrarot und EMR (Electro Magnetic Resonance). Sie soll für Genauigkeit und Reaktionszeit am besten geeignet sein, um noch schneller zu arbeiten.

Weniger verbreitet sind die ShadowSense-Technologie (SST), die mit Infrarot-LED arbeitet, und die InGlass-Technologie, die unsichtbare Lichtwellen in das Bildschirmglas einspeist. Beide messen die Unterbrechung eines Lichtstrahls, die beispielsweise durch einen Stift ausgelöst wird – einmal ist es der Schatten, einmal die Reflektion. Diese Verfahren sollen weniger störanfällig gegenüber Umgebungslicht sein.

Die qualitativ besonders hochwertigen Multitouchdisplays können außer dem Erfassen verschiedener Touchs mit großer Sicherheit auch unbeabsichtigte Berührungen unterscheiden, beispielsweise das Auflegen des Handballens beim Schreiben („Palm Rejection“), wie es die meisten Schreiber tun. Ein weiteres Merkmal ist die durch eine Software erzeugte Druckempfindlichkeit, die durch Druckmessung eine unterschiedliche Schriftdicke ermöglicht. Bei diesen Displays soll ein natürliches Schreibgefühl entstehen, wie man es empfindet, wenn man mit Kreide an die Tafel oder mit Markern auf ein Whiteboard schreibt.

AUSPROBIEREN!

Vor dem Kauf eines Displays – egal welcher Preisklasse – sollte man es auf jeden Fall ausprobieren. Manch ein Nutzer ärgert sich über mangelnde Übersetzungsgeschwindigkeit, bei der das Geschriebene verzögert auf dem Bildschirm erscheint, oder über mangelnde Präzision, die einen räumlichen Versatz zwischen der Eingabe mit dem Finger oder Stift und der Abbildung auf dem Screen verursacht. Beides führt zu großen Irritationen.
In der Übersicht auf Seite 24/25 stellt FACTS eine Auswahl an Multitouchdisplays vor, bei denen das ganze Spektrum an Touchtechniken vertreten ist. Sie haben eine Bildschirmdiagonale von 65 Zoll – Ausnahme: das WCD von Sharp misst 70 Zoll. Jeder Hersteller verspricht, dass sich sein Display ganz einfach einrichten und bedienen lässt, „plug & play“ fehlt in kaum einer Produktbeschreibung. Um zu prüfen, ob diese Aussage den Tatsachen entspricht, wird FACTS demnächst eine Praxistestreihe starten.

Anja Knies

 

INFO 

Präsentationstechniken – Vor- und Nachteile

Zwar bieten Powerpoint-Präsentationen eine gute Möglichkeit, Inhalte zu „audiovisualisieren“, doch bergen sie die Gefahr, dass zu viele davon dargeboten werden und eher die Rede parallel wiedergeben als sie zu ergänzen und zu veranschaulichen. In der Folge beginnen die Teilnehmer sich zu langweilen. Das hat den Powerpoint-Präsentationen den Ruf als „betreutes Lesen“ eingebracht.

An einem Flipchart oder Whiteboard lassen sich Inhalte sehr gut veranschaulichen, sofern erst gesprochen und dann gezeichnet und geschrieben wird. Eine Präsentation wird dadurch spontaner und regt zu Interaktionen mit den Zuhörern an.

Pinnwände wiederum bieten den Vorteil, dass die Informationen nach und nach aufgebaut, außerdem gruppiert und umgruppiert werden können. Doch ebenso wie beim Flipchart lassen sich Ergebnisse nur mühsam dokumentieren.

Interaktive Displays vereinen die Möglichkeiten aller Präsentationstechniken. Sie eignen sich daher für jede Art von Meeting und Präsentation.

 

Fotos im Slider: shutterstock, Sharp, Legamaster, Vivitek, Philips; Fotos der Monitore: Hersteller